Montag, 27. Juli 2009

Psychologische Studien

Eigentlich könnte man dieses Jahr glaube ich auch unter diesem Titel laufen lassen.
Zum Einen lerne ich viele verschiedene Menschen kennen, und abgesehen davon, dass natürlich jeder Mensch einzigartig ist, sind hier noch mal ganz eigene Typen dabei.
Zum Anderen erhalte ich aber auch einige nette Lektionen im Bereich der Sozialpsychologie (Definition nach Wikipedia: Die Sozialpsychologie erforscht Prozesse innerhalb und zwischen sozialen Gruppen, sowie die Auswirkungen solcher Prozesse auf das Erleben und Verhalten des Individuums.). Das bezieht sich also auf die unterschiedlichsten Gruppen um mich rum, und auf mich, wie ich reagiere.
Und für heute gibt es dazu erst mal einen kleinen optischen Eindruck:

Jeder Denkende weiß ...

"Jeder Denkende weiß, daß er immer wieder an Dinge kommt, die ganz einfach, ja banal erscheinen, deren scheinbare Banalität aber nur die Kehrseite ihrer Tiefe und Bedeutungsfülle ist."Romano Guardini

Auf meinen Blog klingt es fast so, als würden wir hier ständig nur Ausflüge machen. Was die freien Wochenenden im Monat betrifft, ist das auch so. Ansonsten ist die Arbeit hier eben auch („nur“) Alltag. Und es ist eine ganz eigene Mischung aus Zusammenleben und Zusammenarbeiten. Wir sind weniger verbunden als eine Familie, aber mehr aufeinander angewiesen als eine bloße WG. Schwierigkeiten einzelner mit- oder untereinander haben schnell Auswirkungen auf das ganze System. So hatten wir hier im Juni kommunikationstechnisch bedingt eine nicht ganz so einfache Zeit. Vieles davon lässt sich nicht wirklich gut beschreiben, aber es hat mich doch sehr zum Nachdenken angeregt, auch gerade darüber, was für eine Rolle und wie ich sie in diesem Gefüge hier spiele.

Im Zusammenhang damit haben mich auch einige nahezu philosophischen Fragen beschäftigt. Das Witzige ist, sie klingen dermaßen abstrakt, aber haben mit meinem Alltag soviel zu tun ...
Und sie sind so alt (und banal, wie oben beschrieben), dass sie sich jeder bestimmt schon mal gestellt hat (und gemerkt hat, dass es eben keine Antwort darauf gibt), aber trotzdem eben manchmal auch so akut, dass man sich mit ihnen auseinandersetzen muss.
Auf den Punkt gebracht: Was ist eigentlich die (objektive) Wahrheit, was ist Realität?
Und wie finde ich innerhalb
lauter subjektiver Wahrnehmungen zu einem eigenen Standpunkt, wenn alles, was ich zur Verfügung habe, mein eigener Filter subjektiver Wahrnehmungen anderer ist. Wie sehr können etwaige Motive eine Wahrnehmung prägen?
Und wem kann ich vertrauen (in seiner Urteilsfähigkeit), wenn doch jeder von eigenen Motiven überlagert und in seinem Denken und Handeln durch sie bestimmt ist?
Wie sehr wird alles, was ich selbst für richtig halte, durch meine Motive eingefärbt?
Wie mache ich mich davon frei?
Und wenn ich das nicht kann, wie gehe ich damit um?

Was für den einen gerade gut ist ist für den anderen gerade vielleicht genau das Falsche.
Wie kann man dann aber überhaupt miteinander kommunizieren, sich verstehen und gegenseitig bereichern, wenn man doch ständig in so unterschiedlichen Wirklichkeiten steckt?

Wie können Menschen (in einem Kloster oder anderswo) zusammenleben, wenn jeder an einer ganz anderen Baustelle baut.
Wie kann man sich geg
enseitig überhaupt verstehen?

Vieles davon gelingt ja eigentlich ständig, aber wo es scheitert, braucht man sich nicht wirklich wundern.

So, hiermit konntet Ihr ein wenig Teil haben an meiner Gedankenwelt von Ende Juni. Warum das erst jetzt kommt? Weil ich mich gefragt habe, ob ich so etwas überhaupt schreiben soll. Und weil es dann erst in den Rundbrief sollte, der Euch in der nächsten Woche erreichen sollte, für den hab ichs dann aber als zu philosophisch befunden.

Und damit der Eintrag jetzt hier nicht ganz so trocken ist, hab ich für Euch noch ein Bild von einem etwas anderen Ampelmännchen ;-)

Sonntag, 31. Mai 2009

Wochenendausflüge


Und noch mehr Abenteuerberichte:
Letztes Wochenende war ich mit Johannes und Johanna unterwegs. Wir haben uns einen Mietwagen in Tiberias geholt und sind ein bisschen durch den Norden gefahren. Eigentlich wollten wir uns die Grotten bei Rosh Ha Nikra anschauen (direkt an der libanesischen Grenze), aber wir haben die letzte Seilbahn verpasst. Von daher war ich dann das erste Mal hier im Mittelmeer baden und wir haben uns den Sonnenuntergang angesehehn (sehr idyllisch mit Surfer und Militärschiff ;-). Am Samstag waren wir dann im Wadi Yehudiya mit dem schönsten Freiluftpool inclusive Wasserfall, den ich mir überhaupt nur vorstellen kann. Im Wasser auf dem Rücken liegen, umgeben von hohen Felsen und einfach Natur pur, fantastisch ...

Abends hatten wir uns dann bei Mouner(der Pächter des Kiosks vor der Kirche) in Rama eingeladen, um mal ein bisschen arabisches Familienleben zu erleben. Und Mouner kennt echt alles und jeden, von der Polizei bis zur Mafia ;-)
Am Sonntag waren wir dann noch in Bet Shean, eine riesige Ausgrabungsstätte ...
Dieses Land ist einfach so vielfältig, es ist der Wahnsinn.
Von diesem Wochenende und der letzten Woche gibt es zu berichten, dass sich hier täglich dermaßen viel verändert, dass man kaum hinterherkommt, es zu dokumentiert. Am Mittwoch war der erste Spatenstich fürs neue Kloster, das in den nächsten zwei Jahren gebaut werden soll - inshallah. Wir haben die Werkstatt und die Laundry ausgeräumt, Bäume wurden gefällt, Bauzäune aufgezogen, ...
Genaueres dazu findet Ihr auf Martins und Basilius´ Blog.
Ich muss ganz viel an Grönemeyers "Bleibt alles anders" denken, denn das einzige Beständige in Tabgha ist in der Tat die Veränderung. Mal schauen, ob mich meine Eltern morgen wiedererkennen, wenn sie mit einer Reisegruppe hier vorbeikommen ;-)

Freitag, 22. Mai 2009

Christen zweiter Klasse?

Jetzt der längst überfällige Eintrag zum Papstbesuch.
Über die ganzen Reden (und davon, was er hätte sagen sollen, aber nicht gesagt hat) seid Ihr ja von den Medien sehr gut informiert worden. Daher noch was von direkt vor Ort. Ein Teil von uns ist nämlich nach Nazareth gefahren, wo ein großer Gottesdienst mit den arabischen Christen gefeiert wurde. In der Nacht zuvor haben wir uns bereits auf den Weg gemacht.
Wir waren mit unterschiedlichen Karten ausgestattet, einmal die VIP-Karten der Mönche, und zum anderen die Karten, die an die arabischen Christen in den Gemeinden verteilt wurden.
Alle mussten bald da sein, um einen guten Platz in ihrem Bereich zu ergattern und alle mussten stundenlang in der Sonne schwitzen. Was letztlich (abgesehen von der Entfernung vom Papst) den Unterschied ausgemacht hat, war ein kleines Stück "Brot" oder besser Tausende kleiner Stücke. Ich weiß nicht, wieviele der ca. 50.000 VIP-Karten hatten und somit im vorderen Teil waren, aber sicherlich nur ein geringer Anteil, die Masse befand sich eindeutig hinter uns. Aber bei der Kommunionausteilung war für den ganzen hinteren Teil nichts mehr zu machen. Als der Papst beim Schlusssegen angelangt war, kamen zwei der zahlreichen kirchlichen Würdenträger dann doch nach hinten, um die letzten 10 verbliebenen Hostienstückchen ein paar Auserwählten auf die Zunge zu legen. Für Luna, die bei uns im Shop arbeitet und mit der und deren Freundin ich zum Gottesdienst gegangen bin (siehe Foto), hat das viel bedeutet und sie war sehr niedergeschlagen.
Mich hat das Ganze im Angesicht ihrer Enttäuschung dann auch ziemlich wütend gemacht. Denn auch wenn man nicht mit so vielen Teilnehmern gerechnet hatte, so waren die Anwesenden doch alle nur mit einer Karte aufs Gelände gekommen. Außerdem herrschte so eine gewisse Arroganz mit der die ersten Reihen bedient wurden, niemand der Herren, die vorne alle wieder Platz genommen hatten, bequemte sich zu den hinteren Rängen ...

Nun ja, abgesehen davon war es schon ein besondere Messe, weniger wegen der langen Wartezeit und der langen Dauer, aber orientalisch wars schon. Was eine gute Papststimmung betrifft, so können das die Italiener oder Spanier deutlich besser als unsere arabischen Freunde hätte ich nicht gedacht. Interessant waren die vielen Sprachwechsel während der Messe. Größtenteils arabisch und englisch fanden auch immer wieder griechische Elemente und auch mal hebräisch ihren Weg.

Neu war für mich auch, dass natürlich nicht nur die arabische Sprache von rechts nach links notiert und gelesen wird, sondern auch die Noten. Das sieht dann so aus:

72h-Aktion in Ost-Jerusalem

Nee, das is jetzt kein Witz! Ich bin einfach nur wieder spät dran mit meinem Bericht. Wer von Euch SWR 3 hört oder aber in der Jugendarbeit aktiv ist (oder beides) hat mit Sicherheit mitgekriegt, dass vor 2 Wochen eine 72-Stunden-Aktion an vielen Orten in Deutschland stattgefunden hat. Aber eben nicht nur in Deutschland. Mein Volontärskollege Thomas hat mich dann einfach mitgeschleift nach Ost-Jerusalem (arabischer Teil), genauer gesagt in den Stadtteil Silwan, wo wir an der Gestaltung eines "Kulturcafes" gearbeitet haben. Das ging vom Mäuerchenhochziehen, über verputzen und streichen bis hin zu künstlerischen Mal- und Dekoarbeiten (Spiegelmosaik an der Mauer). Nachdem ich am Freitag (also einen Tag später) dazugestoßen bin, waren wir eine Gruppe von 7 Leuten, allerdings wurden wir gegen späten Nachmittag immer von vielen Männern und Kindern unterstützt. Am Sonntagabend konnten wir dann auch schon eine kleine Eröffnungsfeier starten. Die Aktion hat von ihrer Arbeit her sicherlich einer in Deutschland geähnelt (auch wenn wir keinen Radiosender hatten, der uns behilflich sein konnte, so hat Jawad uns doch eigentlich immer alles besorgt, was wir gerade brauchten), aber es war trotzdem mal was ganz Anderes. Der Stadtteil Silwan ist berühmt-berüchtigt für die Hausbesetzungen und -zerstörungen, die jüdische Siedler dort vornehmen. Wahrscheinlich würde man Touristen auch von einem Besuch dieses Stadtteils abraten. Umso wichtiger ist die Öffentlichkeitsarbeit, die Jawad mit seiner Organisation macht und die auch alternative Stadtteilführungen beinhaltet. Aber jetzt schaut Euch erst mal ein paar Bilder an, habe ein kleines Album online gestellt, einfach rechts auf Bilder klicken ;-)

Montag, 27. April 2009

Yam-Yam-Tour

Nein, hierbei handelt es sich nicht um eine Reise durch die kulinarischen Kostbarkeiten dieses Landes, auch nicht um Stätten einer fernöstlichen Spiritualität, nein, wir waren ganz einfach unterwegs vom einen Yam zum anderen. Yam ist hebräisch und heißt Meer. Und wir haben uns vom Mittelmeer auf den Weg gemacht zum Yam Kinneret, dem See Genesareth, oder auch vom brüllenden Meer zum flüsternden Meer, wie es in einem Buch heißt.
Laut war das Mittelmeer schon, als wir Freitag gegen Abend mit dem Bus in Nahariya ankamen. So richtige Mittelmeer-Urlaubsstimmung kam aber nur bedingt bei mir auf, war es irgendwie doch recht frisch. Das hielt Mike-Edwin und Johannes natürlich trotzdem nicht davon ab, baden zu gehen, Martin und ich haben uns lieber in den Sand gelegt und den Surfern zugeschaut.
Weiter außerhalb von Nahariya haben wir dann unsere erste Nacht im Freien verbracht. Auf Sand schläft sichs eigentlich ganz gut. Am nächsten Morgen ging es dann richtig los, wir haben unsere Rucksäcke gesattelt und uns auf den Weg in eines der nördlichsten der vielen Naturreservate gemacht. In den kommenden drei Tagen standen uns lange Touren durch wunderschöne Landschaften bevor. Jeder Tag, jedes Naturreservat war völlig anders und doch immer wieder einfach traumhaft. Leider hat man doch einige Zeit gebraucht, um bei Anbruch der Dunkelheit wieder draußen zu sein, denn innerhalb der Gebiete darf man nicht übernachten, so dass zum ruhigen Bestaunen gar nicht so viel Zeit blieb (und beim Klettern mit Gepäck bin ich weder die Geschickteste noch die Schnellste ;-). Am Ende kamen wir kaputt aber glücklich wieder in Tabgha an.
Ich lasse besser mal die Bilder für sich sprechen, nur eines noch: Das Nahal Keziv soll das einzige ganzjährig grüne Naturreservat sein, es lohnt sich also auf alle Fälle, mich mal besuchen zu kommen ;-). Bei uns dagegen wird seit Ostern alles schon wieder gelb. Aber so lange man noch Grün in der Nähe hat ...

Ein Hoch auf den Leatherman

Ja, nun hab ich mich ja schon wirklich lange nicht mehr gemeldet.
Letztlich ist auch hier bei mir so etwas wie Alltag eingekehrt, wobei die Kar- und Osterwoche eigentlich alles andere als Alltag ist. Die schönsten Bilder davon muss ich mir von den Jungs noch holen, dann stell ich vielleicht noch ein Album online. Und dass Palmsonntag ein unvergessliches Erlebnis war, das werdet Ihr ja vermutlich meinem Rundbrief entnommen haben.
Von daher seid Ihr sicher alle gut informiert.
Vorhin bin ich gerade von einer dreitägigen Wandertour zurückgekehrt, davon im nächsten Beitrag mehr. Aber an dieser Stelle muss ich jetzt unbedingt ein Hoch auf den Leatherman loswerden.
Bevor ich hierherkam, wusste ich gar nicht, was das ist.
Falls es jemand von Euch auch nicht weiß, bitteschön:
http://de.wikipedia.org/wiki/Leatherman
Und dann hab ich doch tatsächlich die Unverfrorenheit besessen, und nach dem Unterschied zu einem Schweizer Taschenmesser gefragt.
Oh Weia, da hättet Ihr die Jungs mal sehen sollen, so einen Vergleich darf man nicht wagen.
Denn was wären wir ohne die Kneifzange!! Und in der Tat hat sie duns gestern abend das Essen gerettet. Denn ohne sie hätten wir nicht die alte Gaspatrone aus dem Gaskocher bekommen, die da ziemlich gut festhing.
Hiermit verneige ich mich also noch einmal hochachtungsvoll vor dem Leatherman und gelobe feierlich, ihn nie als Jungsspielzeug zu bezeichnen (was mir von jeher fernlag aber so natürlich eine bindendere Wirkung hat ;-).